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Staffel 11 gewinnt prestigeträchtige Silver Tiger Trophy

In Portual konnten die Schweizer Piloten (im Bild ein Schweizer F/A-18 an zweitoberster Stelle) das Zusammenwirken mit Fluzeuen anderer europäischer Luftwaffen trainieren.
Bild: Luftwaffe

In Portugal konnten die Schweizer Piloten (im Bild ein Schweizer F/A-18 an zweitoberster Stelle) das Zusammenwirken mit Flugzeugen anderer europäischer Luftwaffen trainieren.
Bild: Luftwaffe

Das NATO Tiger Meet ist eine der bedeutendsten multinationalen Übungen der Luftstreitkräfte in Europa. Dieses Jahr setzte die Schweizer Fliegerstaffel 11 zum Sprung an – und holte sich den begehrten Silver Tiger Award.

Vom 22. September bis zum 3. Oktober 2025 fand auf der portugiesischen Luftwaffenbasis Beja das diesjährige NATO Tiger Meet (NTM25) statt. An dieser Veranstaltung nehmen traditionsgemäss Staffeln aus ganz Europa teil, die den Tiger in ihrem Wappen tragen. In der Schweiz ist das die Staffel 11. Das Meeting dient heute weit mehr als symbolischer Kameradschaft: Es ist zu einem hochkomplexen Übungsfeld für moderne Luftkriegsoperationen geworden, in dem Nationen realitätsnah ihre Einsatzverfahren und Fähigkeiten testen.

Multinationale Dimension und Übungsarchitektur

Insgesamt nahmen am NTM25 16 fliegende Staffeln sowie zahlreiche Unterstützungsformationen aus 12 Nationen teil. Die Host Nation Portugal stellte zusammen mit weiteren NATO-Partnern zusätzlich umfangreiche Übungsanteile in den Bereichen Space, Ground, Sea und Red Forces (Zieldarstellung, Gegenseite) sicher. Insgesamt waren rund 1500 Personen beteiligt.
Insgesamt wurden 85 Luftfahrzeuge eingesetzt, darunter 59 Kampfflugzeuge sowie 16 Helikopter und Transportmaschinen unterschiedlichster Typen. Die Schweizer Luftwaffe beteiligte sich mit vier F/A-18C Hornet, einer zusätzlichen Reservemaschine sowie einem rund 50-köpfigen Detachement.
Die Teilnahme der Fliegerstaffel 11 verfolgte mehrere taktische, konzeptionelle und repräsentative Zielsetzungen. Dazu gehörten:
– die Planung, Durchführung und Auswertung anspruchsvoller Verbundoperationen (Composite Air Operation, COMAO) gemeinsam mit und gegen ausländische Plattformen;
– die praktische Überprüfung und Weiterentwicklung der nationalen Verfahren für Luftverteidigungs-Operationen sowie Bodenprozesse im multinationalen Umfeld;
– das professionelle Vertreten der Schweizer Armee im internationalen Vergleich unter konsequenter Priorisierung der Flugsicherheit;
– das Sammeln von Erfahrungen, auch für zukünftige Fähigkeitsentwicklungen im Hinblick auf die Einführung des F-35A.


Realistischer Trainingsraum

Der für die Übung verfügbare Luftraum erstreckte sich über etwa 210 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und rund 400 Kilometer in Ost-West-Richtung. Mit rund 84 000 Quadratkilometer entsprach er etwa der doppelten Fläche der Schweiz. Dieser Übungsraum reichte überwiegend vom Boden bis in unbegrenzte Höhen und bot damit Möglichkeiten, die im Schweizer Luftraum nicht vorhanden sind. Die Schweizer Hornet-Piloten konnten so Missionsprofile mit voller räumlicher Tiefe und einer hohen und dynamischen Dichte an Luftfahrzeugen fliegen.
Die Wochenplanung folgte einem täglichen Rhythmus aus zwei sogenannten Waves. Eine Wave entsprach einem vollständigen Einsatzzyklus von Briefing, Flug und Debriefing. Die Flüge wurden in Shadow-Waves und COMAO-Waves aufgeteilt. Erstere dienten kleineren Übungen wie Close Air Support (CAS) oder Basic Fighter Manoeuvring (BFM), enthielten jedoch jeweils auch Mini-COMAOs mit bis zu 40 Flugzeugen. Diese Shadow-Waves wurden jeweils am Vormittag geplant und am Nachmittag geflogen und ausgewertet.
Die vollwertigen COMAOs selbst umfassten bis zu 60 Luftfahrzeuge und waren eingebettet in ein übergeordnetes Szenario. Am Vortag wurde eine Mission ganztägig geplant, am Einsatztag erfolgte am Vormittag die fliegerische Umsetzung, gefolgt von einem detaillierten Debriefing am Nachmittag. Die Vorgehensweise entsprach NATO-Standards und bot wertvolle Einblicke in Prozesse, wie sie auch im Krisen- oder Konfliktfall angewendet werden. So flossen beispielsweise die Aussagen der Piloten nach einem Flug (Mission Report, MISREP) direkt in die Intel-Zelle und beeinflussten die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse für den Folgetag.
Die Missionen deckten die ganze Bandbreite aktueller Luftkriegsoperationen ab – darunter Offensive und Defensive Counter Air (OCA/DCA), Air Interdiction (AI), Combat Search and Rescue (CSAR), High Value Airborne Asset (HVAA) Protection, Time Sensitive Targeting (TST), Dynamic Targeting (DT) sowie Strike Coordination and Reconnaissance (SCAR). Besonders interessant war auch die Integration von Elementen des Bereichs Space, wodurch Joint All-Domain Operations (JADO) realitätsnah simuliert werden konnten.

Schwerpunkt der Schweizer Luftwaffe

Die F/A-18C der Schweizer Luftwaffe wurden in ihrer Kernrolle Air-to-Air eingesetzt – offensiv in OCA-Missionen zur Bekämpfung gegnerischer Luftverteidigung und defensiv in DCA-Rollen zum Schutz eigener Mittel.
Aufgrund kurzfristiger Absagen einiger Nationen konnte das Schweizer Detachement zusätzliche Aufgaben übernehmen. So wurden Piloten häufiger als üblich als Deputy Mission Commander (DMC), Offensive Counter Air Commander (OCA CMDR) sowie Red Mission Commander (RED MC) eingesetzt. Diese Einsätze boten wertvolle Erfahrungen in Führungsfunktionen für junge wie auch erfahrene Schweizer Piloten.

«Russen» und «Chinesen» als Gegner

Die Übung steigerte den Schwierigkeitsgrad über die zwei Wochen hinweg kontinuierlich. In Woche eins wurden hauptsächlich Gegner mit Systemen russischer Bauart simuliert, in Woche zwei nach chinesischer. Diese Opposing Forces verfügten über moderne Lenkwaffen wie die AA-12B (russische Herkunft) oder PL-12 (chinesische Herkunft) sowie weitreichende bodengestützte Luftverteidigungssysteme (BODLUV).

Die realistischen Bedrohungsdarstellungen setzten die Teilnehmer unter hohen taktischen Druck. Zudem waren viele der Kampfflugzeuge «swing-role capable», konnten also nahtlos zwischen Luft-Boden- und Luft-Luft-Rollen wechseln. Nach abgeschlossenen Luft-Boden-Aufträgen stiessen sie daher häufig als zusätzliche Luft-Luft-Elemente zum Kampf hinzu, was die taktische Dynamik und die Komplexität der Missionen erheblich erhöhte. Für die Schweizer Hornet-Besatzungen ergab sich hier eine seltene Gelegenheit, ihre Air-to-Air-Fähigkeiten gegen modern simulierte Gegner in einem glaubwürdigen Hochintensitätsszenario zu trainieren. Bei allen teilnehmenden Staffeln war die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa spürbar präsent. Besonders in den osteuropäischen Nationen wird zunehmend weniger über die Möglichkeit eines Konflikts gesprochen, sondern vielmehr über dessen zeitliche Wahrscheinlichkeit.

Erkenntnisse und Konsequenzen für die Fähigkeitsentwicklung

Da der Einsatz von Mitteln im Ausland nicht zum Kerngeschäft der Schweizer Armee gehört, bestanden einige logistische Herausforderungen. Die Fliegerstaffel 11 durfte aber wie immer auf einen hervorragenden
Support durch ihre Bodencrew zurückgreifen. Diese stellte den Betrieb der F/A-18 sicher, kümmerte sich nebenbei aber auch um diverse logistische Belange und stellte zu Teilen sogar selbstständig die Verpflegung mittels improvisierter Feldküche sicher. Ohne diese engagierten Mitarbeiter wären solche Übungen für die Schweiz nur schwierig durchführbar. Beachtlich ist dies auch in Anbetracht der kleinen Detachementsgrösse. Das Schweizer Detachement mit seinen rund 50 Teilnehmern erfüllte eine ähnliche Anzahl Flugeinsätze gegenüber Nationen, welche 150 bis 200 Armeeangehörige an die Übung mitbrachten.
Gleichzeitig zeigte die Übung deutlich auf, dass die Schweiz in Rollen wie Luft-Boden und Aufklärung erst am Anfang eines notwendigen Auf- und Ausbaus steht. Mit Blick auf die Einführung des F-35A wird es entscheidend sein, dieses Wissensdefizit abzubauen. Der F-35A entfaltet sein volles Potenzial nur dann, wenn seine Mehrrollenfähigkeit verstanden, angewendet und taktisch vernetzt genutzt wird. Die Teilnahme am NTM25 liefert hierfür eine wesentliche Grundlage: Sie ermöglicht den Piloten den Aufbau von Erfahrungswissen, welcher in der Schweiz – aufgrund fehlender Luftraumdimensionen, begrenzter Anzahl Luftfahrzeuge und politischer Restriktionen – momentan nicht möglich ist.
Auf Stufe Pilot sind die Lessons learned sehr vielfältig. Für jeden Piloten ergeben sich während allen Übungen diverse taktische Erkenntnisse wie auch Hinweise auf Verbesserungspotenzial in der eigenen Arbeitstechnik, ob am Boden, während der Vorbereitung oder in der Luft. Die Übung bestätigte den guten Ausbildungsstand der Schweizer Piloten im Luft-Luft-Bereich. In dieser Rolle müssen sich die Hornet-Piloten keineswegs hinter den europäischen Kameraden verstecken, sondern können auf Augenhöhe mitwirken. Sie kennen und verstehen den Planungsprozess und konnten diesen auch problemlos in Führungsfunktionen anwenden.

Als Bouquet die höchste Auszeichnung

Ein besonderes Highlight war die Auszeichnung der Fliegerstaffel 11 mit dem Silver Tiger Award. Dieser Preis wird jährlich an jene Staffel verliehen, die während des Tiger Meet die höchsten Standards an Professionalität verkörpert und zugleich den «Spirit of the Tiger» zeigt – sowohl im Einsatz als auch im kameradschaftlichen Vergleich. Die Auszeichnung kann getrost als «Sieger der Übung» verstanden werden. Die Wahl erfolgt geheim durch die teilnehmenden Staffeln. Aus informellen Gesprächen mit ausländischen Kameraden ging hervor, dass an den Schweizern ihre Zuverlässigkeit wie auch der Teamspirit des kleinen Detachements geschätzt wurden. Der Gewinn dieser international hoch respektierten Trophäe unterstreicht den professionellen Auftritt des Schweizer Detachements und bestätigt den hohen Leistungsstandard auf «working level». Der Silver Tiger ging zuletzt 1982, 2008 und 2014 an die Fliegerstaffel 11.
Die Teilnahme am NATO Tiger Meet 2025 war für die Schweizer Luftwaffe einmal mehr ein wertvoller Schritt zur Stärkung der Interoperabilität, zur Vertiefung taktischer Kompetenzen und zur Vorbereitung auf die zukünftige Mehrrollenfähigkeit mit dem F-35A. Die Kombination aus hochdynamischen Szenarien, realistischen Gegnerdarstellungen, grossem Luftraum und multinationaler Führungsstruktur bot ein einzigartiges Trainingsumfeld, das für die Weiterentwicklung der Schweizer Luftverteidigung elementar ist.

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