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71 Patrouillen lieferten sich bei kaltem Wetter einen heissen Wettkampf

Es war kalt, windig und extrem anspruchsvoll: Der erste Armeewettkampf, der im vergangenen November durchgeführt wurde, forderte die Teilnehmer. Nicht alle kamen ins Ziel.

Die Wurzeln des Armeewettkampfs gehen auf das Swiss Raid Commando zurück. Dies war ein internationaler Militärwettkampf, der von 1986 bis 2009 in der Schweiz durchgeführt wurde. An dem Wettkampf unter dem Motto «Vouloir, Croire et Oser» (Wollen, Glauben und Wagen) mussten sich Viererpatrouillen während zwei Tagen an technischen und taktischen Posten über ihr infanteristisches Können mit Schwergewicht auf Commando-Aktionen ausweisen. Das Swiss Raid Commando wurde zuerst von der Offiziersgesellschaft des Kantons Neuchâtel, von 1997 bis 2003 von der Felddivision 2 und zuletzt vom Lehrverband Infanterie der Schweizer Armee veranstaltet. Es nahmen jeweils einige hundert Teilnehmer aus dem In- und Ausland teil, wobei es für Luftlandetruppen auch spezifische Posten gab.

Die Ter Div 1 unter Divisionär Raynald Droz hat die Challenge wieder aufgenommen und neu aufgebaut. Als ehemaliger Kommandant der Militärpolizei und als harter Sportler hat Droz eine enge Beziehung zu harten Wettkämpfen und ist damit ein charismatisches Vorbild für unsere Armee. Anders als früher dürfen heute nur dienstpflichtige Angehörige der Schweizer Armee mitmachen. Die Teilnahme wird als ordentliche Dienstzeit angerechnet.

Realitätsnahe Gefechtsbedingungen

Und so fand vom 20. bis 23. November 2025 im waadtländischen und walliserischen Chablais sowie im Raum Hongrin die erste Ausgabe des Armeewettkampfs statt. Dieser beschränkte sich nicht auf die Überprüfung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Ebenso bewertet wurden mentale Belastbarkeit, Teamgeist sowie die Fähigkeit, unter Druck leistungsfähig zu bleiben. Das Hauptziel bestand darin, realitätsnahe Gefechtsbedingungen zu simulieren, um die Soldatinnen und Soldaten auf mögliche Einsatzsituationen vorzubereiten, ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie in ihre Waffensysteme zu stärken und damit einen Beitrag zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Armee zu leisten. Dieser realitätsnahe Ansatz trägt zur Ausbildung von Soldaten bei, die auch unter widrigen und hochbelastenden Bedingungen wirksam eingesetzt werden können.

Für diese neue Ausgabe wurde der Ablauf des Wettbewerbs vollständig überarbeitet. Der Armeewettkampf 25 stellte die Teilnehmenden vor eine anspruchsvolle taktische Mission. Nach der Eröffnungszeremonie folgten instruktive Phasen, die auf Einsatz und Auftrag ausgerichtet waren. Danach ging es an die Einsatzvorbereitungen, welche die Voraussetzung dafür bildeten, dass die Teilnehmenden in den Einsatzraum infiltrieren und Aufträge im Rahmen eines Verteidigungseinsatzes auf Stufe Infanteriebataillon erfüllen konnten. Die am zweiten Tag erreichten Punkte bestimmten die Mission des Folgetags. Diese führte die Patrouillen auf den Hongrin auf über 1200 Meter Höhe, wo sie mehrere Stunden durch Schnee und Kälte marschierten, bevor sie zurück ins Tal und über die Ziellinie gelangten. Der Wettkampf wurde mit einem Kameradschaftsabend sowie den anschliessenden Rangverkündigungen abgeschlossen. Der «AW 25» begann zunächst im Flachland sowie im unmittelbaren Kontakt mit der Bevölkerung, bevor er in alpinem, verschneitem und anspruchsvollem Gelände fortgesetzt wurde. Damit spiegelte er realitätsnah den vorgesehenen Einsatzraum wieder. Die Teams hatten eine Reihe von Prüfungen zu absolvieren, die ein breites Spektrum militärischer und überlebensrelevanter Fähigkeiten abdeckten.

Zwei Jahre Vorbereitung

Bereits im Oktober 2023 trat ein Teil des Stabes in Colombier zusammen, um das Grundkonzept des Armeewettkampfs 25 festzulegen, die Organisation der Stabszellen zu definieren, die Detailplanung zu strukturieren und den Dienstleistungsplan für die kommenden zwei Jahre zu verabschieden. Angesichts der laufenden Aktivitäten der Ter Div 1 wurde entschieden, den Planungsaufwand zu optimieren, indem der geografische Raum des letzten Armeewettkampfs von 2009 – das Chablais – erneut genutzt wurde.

Ziel dieses Stabes war es nicht nur, den Wettkampf zu planen, sondern auch jungen Kadern der Armee die Möglichkeit zu geben, praktische Erfahrung in der Vorbereitung und Führung einer komplexen Operation zu sammeln. Insgesamt waren acht Stabswochen erforderlich, um eine detaillierte, kohärente und an der Einsatzplanung orientierte Vorbereitung sicherzustellen. Diese erste Ausgabe unter der Führung der Ter Div 1 wurde durch einen Stab von 45 Offizieren sowie höheren Unteroffizieren geplant, bestehend zu gleichen Teilen aus Berufs- und Milizkadern. Zudem war die rasche Integration der Milizkader des S Bat 14 als zugewiesene Unterstützungstruppe ein zentraler Faktor.

Die Organisation eines Anlasses dieser Grössenordnung stellte eine erhebliche logistische Herausforderung dar. Unvorhersehbare Wetterbedingungen mit raschen Temperaturwechseln, starkem Wind und Schneefall machten umfangreiche Massnahmen erforderlich, um die Sicherheit der Teilnehmenden und des Unterstützungspersonals zu gewährleisten. Darüber hinaus wurden ökologische Aspekte konsequent berücksichtigt. Dazu gehörte ein konsequentes Abfallmanagement, die Wiederherstellung der genutzten Übungsräume sowie eine gezielte Sensibilisierung für den Schutz der natürlichen Umgebung.

Der Armeewettkampf ist eine zentrale Visitenkarte der Milizarmee. Diese trägt eine wesentliche Verantwortung sowohl in der Stabsarbeit des Armeewettkampfs als auch in den Unterstützungsleistungen der eingesetzten Truppe. Es zeigte sich, dass der Armeewettkampf ein prägendes Ereignis der Schweizer Armee war, das militärische Tradition, hohe physische Anforderungen und realitätsnahe Ausbildung der Verteidigungsfähigkeiten in einem einzigartigen Rahmen vereint.

Abwechslungsreiche und herausfordernde Prüfungen

Der Aufruf zur Teilnahme am «AW 25» fand ein starkes Echo, vor allem in der Westschweiz. Die Teilnahme war freiwillig. 80 Patrouillen meldeten sich für diese harte Herausforderung an, 60 Prozent Französischsprachige, 30 Prozent Deutschsprachige und 10 Prozent Italienischsprachige. Hervorzuheben ist auch die Anmeldung von insgesamt elf Frauen. Dass die Challenge auch Teilnehmer aus dem Kommando Spezialkräfte, also Grenadiere, MP-Grenadiere und Fallschirmaufklärer anzog, zeigt, dass der «AW 25» eine breite Palette von Zielgruppen ansprach hat. Erwartungsgemäss belegten diese die ersten Ränge.

Die Entscheidung, welche Posten in welcher Reihenfolge angesteuert werden, lag beim Teamleader und seinem Team. Sorgfältige Einschätzung der Leistungsfähigkeit, cleveres Zeitmanagement und die Kunst im Kartenlesen halfen auf dem Weg in die guten Ränge.  Die Organisation an den Posten war teilweise von zu viel auftauchenden Patrouillen stark beansprucht. Das führte dazu, dass für die Patrouillenchefs zusätzliche Herausforderungen gemeistert werden mussten. Denn wenn Pflichtposten nicht erfüllt wurden, gab es Abzüge. Auch der Verlust, das Aufgeben eines angemeldeten, führte zu schmerzlichen Abzügen.

Unter den 26 Posten zu  finden waren etwa das Schiessen mit Sturmgewehr, Pistole und Panzerabwehrwaffen, Kameradenhilfe, Einsätze mit Sprengstoff, Klettern, Häuserkampf, der Umgang mit Kriegsgefangenen oder Gewässerüberquerungen. Am See hatte man die Wahl: Sollte man sich ein Neoprenanzug überziehen oder nackt in den See steigen. Es galt, die gesamte Ausrüstung inklusive Waffe mit ins Wasser nehmen. Die Lufttemperatur betrug, bei steifer Bise, gerade einmal 6 Grad. Das Wasser lud mit 3 Grad nicht unbedingt dazu ein, ohne Neopren ins Wasser zu steigen. Aber das An- und wieder Ausziehen des Anzugs kostete zusätzlich 30 Minuten, Zeit, die der Gruppe schliesslich fehlte.

59 Patrouillen kamen ins Ziel

Von den 80 angemeldeten Vierer-Patrouillen traten schliesslich 72 zum freiwilligen Wettkampf an. Nach der Trainingsphase trat eine Patrouille zurück. So begaben sich am 21. November insgesamt 71 Patrouillen mit 284 Armeeangehörigen in Lavey (VD) an den Start. 59 Patrouillen absolvierten die gesamte Mission erfolgreich, 12 mussten den Wettkampf vorzeitig beenden.

Die Bedingungen waren besonders anspruchsvoll, insbesondere im Gebiet Hongrin (Lufttemperatur –12 Grad, maximale Windböen von 18 km/h, Gesamtschneefall 26 Zentimeter). In der Ebene fanden die wasserbezogenen Aufgaben in 3 Grad kaltem Wasser statt. Der Sanitätsdienst des AWK 25 hatte während des Wettkampfs neun Mal zu tun. Es wurden keine schweren Fälle festgestellt. Zwei Armeeangehörige benötigten jedoch weiterführende Abklärungen im Spital. Der Wettkampf bleibt bei allen, die teilgenommen haben, als prägendes Ereignis in Erinnerung. Ob, wann und durch wen der nächste Armeewettkampf stattfinden kann, ist offen.

Weblinks

www.armee.ch/awk
Die vollständige Rangliste sowie Bildmaterial sind verfügbar unter https://share.dma.swiss/s/3P6PqCyQGori42D

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