Einsatz und Ausbildung

Der Zugführer: Was gute Ausbildung ist

Die Ausbildung der Rekruten in den Schulen sowie der Soldaten in den WKs findet meist im Zugsrahmen statt. Im Rahmen des Einsatztrainings bilden die Zugführer auch ihre unterstellten Unteroffiziere aus. Gegliedert nach den Stufen der Ausbildung soll folgend die «gute» Ausbildung charakterisiert werden.

Die Gänsefüsschen beim Wort «gut» stehen stellvertretend für ein Grundproblem jeder Ausbildung. «One size fits all» gibt es im Kontext unterschiedlicher Fähigkeiten, Motivation und Hintergründe der Auszubildenden leider nicht. Gewissen fallen die Grundmanipulationen am Sturmgewehr auch nach unzähligen Durchgängen in der Festigungsstufe schwer, während andere sich nach dem dritten Mal sicher fühlen und die Ausbildung als repetitiv und unterfordernd erachten. Folgende Methoden haben mir persönlich geholfen, die Schwierigkeiten in der Ausbildung zu minimieren.

Die Anlernstufe

Zu Beginn ist es noch einfach. Die wenigsten haben in ihrem zivilen Leben bereits den Parkdienst nach dem Schiessen bei einer Panzerhaubitze oder das Bedienen eines SE-235 erlebt. Das bekannte System des «Vormachens, Mitmachens und Nachmachens » hat sich bewährt und funktioniert.

Das Vormachen kann bei einer Tätigkeit, welche von mehreren Personen durchgeführt wird, wie beispielsweise dem Häuser- und Ortskampf, zu Problemen führen. Hier hilft der «Lego-Männchen-Sackbefehl»: Jeder Gruppenführer hat seine Gruppe als Plastikmännchen auf Mann und kann koordinierte Aktionen in beliebigem Terrain vorspielen. Wenn sich die Figuren visuell unterscheiden, können sich die Auszubildenden am ihnen zugeteilten Figürchen orientieren. Auch das angeleitete Mitmachen kann zunächst mit den Figuren gespielt werden, bevor der Schritt ins Gelände erfolgt. Die gesparte Ausbildungszeit kann erstaunen. Durch die Ausstattung jedes Unteroffiziers können auch Aktionen bis auf Zugsebene durchgespielt werden.

Die Festigungsstufe

Diese erachte ich als die herausforderndste Phase der Ausbildung. Die Balance zwischen den Bedürfnissen der technisch schwächeren und dem Potenzial der sichereren Auszubildenden zu finden, kann schwierig sein. Hinzu kommt der Wunsch der Wachtmeister, die Drillpisten besonders körperlich anspruchsvoll zu gestalten und so das Ausbildungsziel als Motto einer militarisierten Sportlektion zu interpretieren.

Wenn es die Kapazität erlaubt, lassen sich diese Ansprüche in einer zweigeteilten Drillpiste fusionieren. Die erste, welche alle absolvieren, fokussiert auf die technische Ausführung des Gelernten und verzichtet auf den gebührenden Zeitdruck. Jene, welche nach einer ausbildungsmethodisch sinnvollen Anzahl an Durchgängen den Ansprüchen des Postenverantwortlichen genügen, qualifizieren sich für die zweite Drillpiste. Nun kommen Friktionselemente wie die Splitterschutzweste, Sprinteinlagen oder audiovisuelle Ablenkungen (Musikbox und Augenbinde) zum Einsatz.

Dem weniger kreativen Leser empfehle ich ein augenöffnendes Gespräch mit einem Wachtmeister über die sich ergebenden Möglichkeiten (im Rahmen des Dienstreglements). Durch diese Zweiteilung können die Auszubildenden entsprechend ihrer Möglichkeiten gefördert und gefordert werden.

Die Anwendungsstufe

Meines Erachtens erfährt die Anwendungsstufe von vielen Zugführern zu wenig Beachtung. Dies, da die Übungen im WK oder die Verbandsausbildung in der RS von einer vorgesetzten Stufe befohlen und man selbst auch beübt ist. Die Möglichkeiten des Einsatztrainings sollten genutzt werden.

Durch das Platzieren der Trainings nach der Festigungsstufe kann bei den Soldaten der Kontext geschaffen werden, in welchen sich das Gelernte einfügt. Wurde in einer Woche etwa das Nachtverhalten, die Gefechtsformationen und das Funkgerät gefestigt, können diese Aspekte im Rahmen eines nächtlichen Trainings zusammengeführt werden. Nach einer kurzen Befehlsausgabe verschieben die Soldaten im Gruppenrahmen zu einem vordefinierten Ziel. Auf dem Weg melden sie die passierten Phasenlinien und weichen den patrouillierenden Wachtmeistern aus, welche sie bei Sichtkontakt wieder zum Ausgangspunkt zurückschicken. Diese spielerische Anwendung zeigt den Auszubildenden den Sinn und Zweck des Gelernten.

Die Kaderausbildung

Auch die Fertigkeiten der Unteroffiziere lassen sich im Rahmen der Einsatztrainings ausbauen. Gerade die Formulierung von sauberen Befehlsausgaben kann so vor den «richtigen» Übungen geschliffen werden. Wenn etwas Zeit bleibt, können die Einsatzverfahren und Zugsstandards am Sandkasten trainiert werden. Dies ist auch ein gutes Setting für Wargaming-Episoden auf Gegenseitigkeit, welche gerade auch im Wiederholungskurs auf Anklang stossen und das taktische Verständnis ohne grossen Mittelaufwand fördern können.

Bestehende Herausforderungen

In meinen Wiederholungskursen, welche ich in einer Artillerielogistikbatterie leiste, ist mir aufgefallen, dass sich die Qualität sowie die Motivation der Soldaten bei den «Grün»-Ausbildungstagen in Grenzen halten. Hier wäre es vorteilhaft, wenn im KVK auf Berufskader zurückgegriffen werden könnte, um durch das Vorzeigen der Lektionen deren Qualität zu erhöhen.

Die gleiche Schwierigkeit besteht bei Weiterausbildungen, bei welchen die Grundlagen auch bei den Ausbildern weiter zurückliegen und bereits dazumal nur lückenhaft vorhanden waren. Ein Beispiel hierfür ist der Kampf im überbauten Gelände, der für eine Einheit, welche sich aufgrund der Anforderungen an die Abteilungswerkstatt zumeist im urbanen Gebiet befindet, grundlegend sein sollte. Ein gezielter Einsatz von Berufsunteroffizieren könnte die Ausbildungsqualität im WK massgeblich steigern.

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