Investitionen zur Abwehr der Bedrohung von oben
Mitte März hat der Bundesrat die Armeebotschaft 2026 verabschiedet. Vorgesehen sind Investitionen von rund 3,4 Milliarden Franken – etwa doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Fokus liegt auf der Stärkung der bodengestützten Luftverteidigung, dem Schutz vor Drohnen, der Cyberabwehr sowie auf Infrastrukturprojekten.
Die Armeebotschaft 2026 sieht primär eine Verbesserung der Abwehrfähigkeit der Schweiz gegenüber Angriffen aus der Distanz vor. Zudem beantragt der Bundesrat einen Zusatzkredit zur Deckung der Mehrkosten beim Kampfflugzeug F-35A. Über die Vorlage entscheidet das Parlament in der Sommersession.
Schweiz ist betroffen
Am 20. März, nachdem der Gesamtbundesrat die Armeebotschaft verabschiedet hatte, erläuterte Martin Pfister vor den Medien die Gründe für die hohen Ausgaben. Er betonte, der Krieg Russlands gegen die Ukraine stelle eine sicherheitspolitische Zäsur dar, deren Auswirkungen auch in der Schweiz spürbar seien. Zudem sei im Nahen Osten ein weiterer Konflikt ausgebrochen, der sich mit Angriffen auf Zypern und die Türkei bereits auf Europa ausgeweitet habe.
Das Risiko militärischer Auseinandersetzungen in Europa mit direkten Folgen für die Schweiz habe dadurch deutlich zugenommen. Gleichzeitig nehme auch die hybride Kriegsführung weiter zu. Pfister sagte wörtlich: «Die Schweiz ist davon betroffen. In Anbetracht der angespannten sicherheitspolitischen Lage hat der Bundesrat beschlossen, die Sicherheit und Verteidigung der Schweiz zu stärken und eine neue Priorisierung vorzunehmen.»
Luftverteidigung hat Priorität
In den kommenden Jahren werden sich die Armee und die zivilen Bundesstellen mit Sicherheitsaufgaben vorrangig auf die wahrscheinlichsten Bedrohungen konzentrieren – insbesondere auf Angriffe aus der Distanz und hybride Gefahren. Entsprechend würden die Rüstungsprogramme der nächsten Jahre konsequent darauf ausgerichtet, erklärte Martin Pfister weiter. Im Rüstungsprogramm 2026 werde deshalb die Beschaffung von Systemen der bodengestützten Luftverteidigung vorgezogen.
Im Vergleich der Rüstungsprogramme 2025 und 2026 zeigt sich eine deutliche Zunahme des Volumens. Für das laufende Jahr beantragt der Bundesrat den eidgenössischen Räten drei Verpflichtungskredite im Umfang von insgesamt rund 3,4 Milliarden Franken.
Dies entspricht dem von National- und Ständerat festgelegten Ziel, die Armeeausgaben bis 2032 schrittweise auf ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erhöhen.
| Armeebotschaft 2025 | Armeebotschaft 2026 | |
| Gesamtsumme | Rund 1,7 Mrd. CHF | Rund 3,4 Mrd. CHF |
| Rüstungsprogramm | 1,51 Mrd. CHF | 2,44 Mrd. CHF |
| Immobilienprogramm VBS | 185 Mio. CHF | 562 Mio. CHf |
| Zusatzkredite F-35A | 394 Mio. CHF |
Die Botschaft mit Gesamtverpflichtungskrediten von rund 3,4 Milliarden Franken gliedert sich in drei Bereiche: Rund 2,44 Milliarden Franken sind für die Rüstungsbeschaffung vorgesehen. Weitere 562 Millionen Franken beantragt der Schweizerischer Bundesrat für Immobilienprojekte. Zusätzlich legt er einen Bundesbeschluss über 394 Millionen Euro zur Finanzierung von Mehrkosten im Zusammenhang mit der Beschaffung der neuen Kampfflugzeuge F-35A vor.
Die wahrscheinlichsten Bedrohungen
Wie bereits Martin Pfister vor den Medien so begründete auch Divisionär Daniel Keller den diesjährigen Mehrbedarf bei der Präsentation der Armeebotschaft 2026 vor Vertretern aus Sicherheits-, Technologie- und Industrieverbänden mit einem zentralen Punkt: «Der Krieg ist nach Europa zurückgekehrt.»
Der Chef des Armeestabes stellte die veränderte sicherheitspolitische Lage und die Reaktion der Schweiz ins Zentrum seiner Ausführungen. Szenarien, die die Schweizer Armee lange trainiert habe, seien inzwischen Realität geworden. Die wahrscheinlichsten Bedrohungen für die Schweiz lägen laut Keller im Zusammenspiel zweier vom Bundesrat ebenfalls hervorgehobener Faktoren: digitale Gefahren und Angriffe aus grosser Distanz. Darauf müsse sich das Land entsprechend vorbereiten.

(Bild: Rheinmetall Air Defence)
Der Bundesrat und das Parlament haben entschieden, die Armee wieder konsequent auf die Verteidigung auszurichten und rasch zu stärken – sowohl personell als auch materiell. Die Armeeausgaben sollen bis 2032 auf ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen. Keller betonte, dass zum einen die Lage auf dem Rüstungsmarkt angespannt sei, zum anderen existiere die Schweizer Rüstungsindustrie nur noch in sehr begrenztem Umfang. Damit sei die Schweiz, weitgehend auf das Ausland angewiesen, um militärische Systeme, Lenkwaffen und Munition zu beschaffen.
Fünf Gründe für zusätzlichen Finanzbedarf
Für die dringend notwendige Stärkung der Sicherheit und Verteidigung der Schweiz ergibt sich mittelfristig ein zusätzlicher Finanzbedarf von rund 31 Milliarden Franken. Divisionär Keller nannte dafür fünf zentrale Gründe: Erstens müsse die Armee rascher modernisiert und konsequent auf die aktuellen Bedrohungen ausgerichtet werden. Neue Systeme sollen bereits Anfang der 2030er-Jahre eingeführt werden und ihre Wirkung entfalten.
Zweitens müsse die Milizarmee besser ausgerüstet sein. Die persönliche Ausrüstung gewährleiste unmittelbaren Schutz und sei eine Grundvoraussetzung für die Einsatzfähigkeit der Truppe. Wer Dienst leiste, müsse sich darauf verlassen können, bestmöglich geschützt zu sein. Verbesserungen stärkten nicht nur die Einsatzfähigkeit, sondern auch Motivation, Vertrauen und Glaubwürdigkeit der Armee.
Drittens reiche das beschlossene Wachstum der Armeeausgaben auf ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2032 nicht aus, um den notwendigen Fähigkeitsaufbau sicherzustellen. Zudem sei dieses Wachstum im ordentlichen Bundeshaushalt noch nicht vollständig finanziert.

(Bild: Bettina Berger, VBS)
Viertens hätten die Entwicklungen auf den internationalen Rüstungsmärkten erhebliche Auswirkungen: Rüstungsgüter seien in den letzten Jahren deutlich teurer geworden, und die aktuelle Budgetplanung trage dieser Realität nicht ausreichend Rechnung.
Und fünftens müssten auch zivile Bundesstellen mit sicherheitsrelevanten Aufgaben gestärkt werden – insbesondere der Nachrichtendienst des Bundes sowie die Bundesämter für Bevölkerungsschutz, Polizei, Zoll- und Grenzsicherheit und Cybersicherheit.
Priorität bei der Luftverteidigung
Standen im letztjährigen Rüstungsprogramm die Erneuerung der Artillerie und der Werterhalt der Panzerflotte im Zentrum, liegt der Fokus 2026 auf der Luftverteidigung (rund 1,8 Milliarden Franken für Iris-T SLM und Kurzstrecken-Fliegerabwehr), dem Schutz vor Drohnen sowie dem Ausbau der Cyber-Abwehr. Das bedeutet konkret, der Bundesrat will Beschaffungen für die bodengestützte Luftverteidigung im unteren und mittleren Luftraum vorziehen und mit folgenden Vorhaben stärken:
- Es sollen zu den fünf bereits bestellten Feuereinheiten Iris-T SLM zwei zusätzliche beschafft werden, um einen grösseren Raum abzudecken und mehr kritische Infrastrukturen zu schützen.
- Zusätzlich soll der Bestand an Lenkwaffen für die Feuereinheiten Iris-T SLM erhöht werden, um Bedrohungen aus der Distanz länger abwehren zu können.
- Mit neuen Luftabwehrsystemen kleiner Reichweite sollen die schultergestützte Fliegerabwehrlenkwaffe Stinger und die Fliegerabwehrkanone 35 mm ersetzt werden, weil diese teilweise veraltet sind, im Nahbereich nur beschränkt wirken und deren Nutzungsdauer anfangs der 2030er-Jahre enden wird. Konkret wird dies das System Skynex des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall sein. Dessen Air-Defence-Sparte ist in Zürich Oerlikon ansässig. Für die geplanten acht Systeme samt Munition ist ein Verpflichtungskredit von insgesamt 800 Millionen Franken vorgesehen. Die ersten Systeme, die primär für den Objektschutz eingesetzt werden sollen, könnten ab 2028 ausgeliefert werden. Skynex besteht aus einem – bewährten – 35mm-Flugabwehrgeschütz, das auf Lastwagen montiert werden kann. Erfahrung mit dieser Kombination gibt es erst wenig. Die Beschaffung von Geschützen auf Radschützenpanzern wird zu einem späteren Zeitpunkt geprüft.
- Um militärische Verbände, die Zivilbevölkerung und kritische Infrastrukturen zu schützen, sollen Systeme zur Abwehr von Mini-Drohnen beschafft werden. Das Abwehrsystem besteht aus verschiedenartigen Sensoren, Kontrolleinheiten und Effektoren, welche die Mini-Drohnen erfassen, identifizieren und neutralisieren, zum Beispiel mit elektromagnetischen Wellen oder Radar. Optional kann das System mit Komponenten erweitert werden, die anfliegende Objekte mit Abfangdrohnen oder Geschossen neutralisieren.
Mehr Informationen für besseres Lagebild
Ausserdem will der Bundesrat mit weiteren Rüstungsvorhaben die Fähigkeiten der Armee beim Verbund von Sensoren, Nachrichten, Führung und Wirkung, im Cyberraum und elektromagnetischen Raum sowie der Wirkung gegen Ziele am Boden stärken:
- Das veraltete taktische Fliegerradar Taflir wird durch ein teilmobiles Radarsystem mittlerer Reichweite ersetzt, um das Luftlagebild zu verbessern und damit Bedrohungen aus der Distanz früh erkennen und bekämpfen zu können.
- Mit dem Aufbau von weltraumgestützten Fähigkeiten sollen mit zusätzlichen Informationen das Lagebild präzisiert und die Telekommunikation verbessert werden.
- Es soll eine eigene Kerninfrastruktur aufgebaut weden, um zivile Datennetze erweitert zu nutzen und damit die Widerstandsfähigkeit der armeeeigenen IT-Systeme im Hinblick auf Bedrohungen und Gefahren zu erhöhen.
- Die Fähigkeiten zur elektronischen Kriegführung werden erhalten und so ergänzt, um sie auf der untersten taktischen Stufe einsetzen zu können.
- Sämtliche Truppengattungen werden mit neuen Pistolen des Typs SIG Sauer P320 ausgerüstet.

(Bild: Christian Brändli)
Ein Zusatzkredit für die F-35A
Nebst dem Rüstungsprogramm legt der Bundesrat den Räten einen Bundesbeschluss zugunsten der neuen Kampfflugzeuge F-35A vor. Mit einem beantragten Zusatzkredit von 394 Millionen Franken sollen die höheren US-Kosten für die Beschaffung gedeckt werden. Nachdem die USA angekündigt hatten, dass die F-35A für die Schweiz teurer werden als geplant, beauftragte der Bundesrat im August 2025 das VBS, den Umgang mit den Mehrkosten zu prüfen. Der im Dezember dazu vorgelegte Bericht bestätigt die Grundlagenanalyse von 2017 weitgehend als weiterhin gültig. Verschiedene Überlegungen führten in Folge zur Einschätzung, dass die Armee künftig 55 bis 70 moderne Kampfflugzeuge benötigen würde, um ihre Durchhaltefähigkeit in allen Lagen sicherzustellen.
Eine solche Bestandsaufstockung ist jedoch für den Bundesrat derzeit aus finanzpolitischer Sicht unabhängig vom Flugzeugtyp nicht realistisch. Dennoch hält er an der Beschaffung des F-35A fest, passt die ursprüngliche Planung jedoch an: Das VBS soll so viele Flugzeuge beschaffen, wie angesichts der Mehrkosten und innerhalb des Bundesbeschlusses vom 15. September 2022 finanziell maximal möglich ist. Die Rede ist von voraussichtlich 30 Jets. Zunächst soll angesichts der sicherheitspolitischen Lage die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit prioritär behandelt werden. Danach wird entschieden, ob zusätzliche F-35A beschafft werden können, um den ursprünglich vorgesehenen Bestand von 36 Kampfflugzeugen zu erreichen.
Besser Schutz für Jets am Boden
Auch dieses Jahr enthält das Rüstungsprogramm einen Kredit für Immobilieninvestitionen des VBS. Diese steigen gegenüber dem Vorjahr deutlich an – von 185 Millionen Franken (2025) auf 562 Millionen Franken (2026). Die Mittel werden unter anderem für Lärmschutzmassnahmen und verschiedene Modernisierungen eingesetzt.
Die grössten Ausgaben betreffen die Instandsetzung einer in den 1950er-Jahren gebauten Kaverne, die an heutige Ausbau- und Sicherheitsstandards angepasst werden soll. Zudem sind bei Gebäuden in der Umgebung der Militärflugplätze Emmen, Meiringen und Payerne der Einbau von Schallschutzfenstern vorgesehen. Auch die aus den 1940er-Jahren stammende Infrastruktur auf dem Schiessplatz Vugelles-La Mothe soll erneuert werden. Ein weiterer Kredit ist für bauliche Massnahmen im Bereich der Telekommunikation vorgesehen. Zusätzlich beantragt der Bundesrat zwei Zusatzkredite für laufende Projekte: für bauliche Anpassungen im Zusammenhang mit den neuen Kampfflugzeugen F-35A sowie für die Sanierung einer Führungsanlage.

