Einsatz und Ausbildung

Der Zugführer: Die Wunschliste der Artillerielogistik

Die Einsatzlogistik der Schweizer Armee ist nicht bereit für den Ernstfall. Unzureichende Bewaffnung, veraltete Einsatzverfahren und die fehlende Drohnenabwehr machen logistische Schlüsselelemente zur leichten Beute. Ein Wunschzettel aus der Praxis.

Wie es sich für eine Wunschliste geziemt, beginnt diese mit den Erwartungen, welche aus Sicht des Verfassers am ehesten umgesetzt werden können. Diese betreffen sowohl die Ausrüstung als auch die Ausbildung der Nachschubs- und Instandhaltungssoldaten.

Die Notwendigkeit eines Ausbaus soll an folgendem Beispiel erläutert werden: Eine Artillerielogistikbatterie hat den Auftrag erhalten, einen Raum zu beziehen, um die Versorgung der Artillerieabteilung mit den befohlenen Nachschubklassen sicherzustellen.

Auf der Verschiebung werden mehrere Schlüsselelemente der Abteilung transportiert. Kein einziges Fahrzeug ist gepanzert und die Soldaten sind ausschliesslich mit dem Sturmgewehr bewaffnet. Es scheint offensichtlich, dass selbst eine kleine Gruppe irregulärer Kämpfer die Versorgung der Abteilung massgeblich gefährden könnte. Ein ziviler Lastwagen als Sperre kann ausreichen, um die Schlüsselelemente unter Feuer zu nehmen und zu neutralisieren. Das Durchbrechen der Sperre mit einem eigenen Lastwagen ist ungünstig, da sich die schützenswerten Einrichtungen auf den Lastwagen befinden. Auch die Verschiebung in Marschpaketen schafft nur begrenzt Abhilfe, da es einer organisierten gegnerischen Miliz möglich sein wird, auf mehreren Routen gleichzeitig zu operieren.

Fehlender Schutz

Sollte es die Einheit schaffen, in ihrem zu beziehenden Raum anzukommen, wartet die nächste Herausforderung: Die Ausbildung der Soldaten im Kampf im überbauten Gelände ist lückenhaft und es fehlt auch hier die Bewaffnung, um einen allfällig im Raum befindlichen Gegner zu bekämpfen. Der erste Wunsch betrifft somit die grundsätzlichen soldatischen Fertigkeiten. Selbst eine unterstützende Einheit wie die Artillerielogistik braucht Mittel, um sich gegen einen Gegner zur Wehr zu setzen: Handgranaten und zumindest leichte Maschinengewehre sowie die entsprechende Ausbildung sind für sicheres Erfüllen der Grundaufträge notwendig.

Weiter sollte gerade eine Einheit, welche sich auf den Transport von Schlüsselelementen konzentriert, die Fähigkeit haben, diese während einer Verschiebung zu verteidigen. Einige zumindest leicht gepanzerte und bewaffnete Fahrzeuge würden die Auftragserfüllung erleichtern. Die zu Beginn geäusserte Absicht der Umsetzbarkeit mag bereits hier nicht mehr gegeben sein.

Fixzeiten für den Abschuss

Die zweite Säule der Wunschliste betrifft die Einsatzverfahren. Der Krieg in der Ukraine und die daraus abzuleitenden Konsequenzen haben ihren Weg noch nicht in die Praxis unserer Einsatzlogistik gefunden. Den Interessierten sei eine Lektüre des Reglements 55.070 «Nachschubdienst der Artillerie» empfohlen, welches aus heutiger Sicht die Mittel zur Versorgung des Truppenkörpers dem Gegner auf dem Silbertablett zum Abschuss serviert. Einen Container mit mehr als 9000 Liter Diesel direkt den Geschützbatterien zu liefern, damit diese während eines fixen Zeitfensters ihre Haubitzen tanken können, scheint in der Zeit des gläsernen Gefechtsfelds nicht mehr angebracht. Insbesondere, wenn die stark begrenzte Stückzahl dieser Betankungscontainer bekannt ist.

Alternativen zeigen sich beispielsweise bei unbemannten Bodenfahrzeugen, die den Transport von der Einsatzlogistik zu den «Endverbrauchern» übernehmen können. Das Risiko wird durch die Diversifikation reduziert und das logistische Lagebild für alle Stufen genauer. Die Verbesserung der Lageverfolgung resultiert aus der Übertragung des Standorts als auch des Auftragsstatus durch den Transportroboter.

Weitere Möglichkeiten ergeben sich folgerichtig im Bereich der Software des Logistikprozesses. Die Kapazitäten für Datenbeschaffung und -verarbeitung sollten im Zeitalter der künstlichen Intelligenz auch in die militärische digitale Infrastruktur einfliessen. Manuelle Bestandesmeldungen über die materielle Einsatzbereitschaft einer Einheit können durch Sensortechnologie abgelöst und automatisiert an die vorgesetzte Stufe geschickt werden. Wird diese Übersicht mit der Logistikeinheit geteilt, können anstehende Lieferungen antizipiert und der Logistikprozess flüssiger gestaltet werden.

Den Abschluss meiner Wunschliste macht die Drohnenabwehr. Sowohl die bestehenden als auch die zukünftigen Schlüsselelemente der Einsatzlogistik müssen sich aktiv gegen die Bedrohung aus der Luft wehren können. Gerade die schwerfälligen Mittel wie diejenigen der Abteilungswerkstatt brauchen einen umfassenden Schutz gegen Drohnen. Störsender auf allen Fahrzeugen sowie Abfangdrohnen oder Mikrowellenwaffen im Umkreis der logistischen Einrichtungen würden deren Auftragserfüllung sichern (oder im Kontext von Aufklärungsdrohnen und Artillerieschlägen zumindest verlängern).

Der letzte Punkt soll den Möglichkeiten der Innovation in der Miliz gestiftet sein. Was die Swiss Innovation Force hier bereits leistet, soll verdankt sein, doch es gibt noch weit mehr Potenzial in den Köpfen der Bürger in Uniform. Es gibt wohl keinen grösseren Thinktank als die Schweizer Armee mit 140 000 divers ausgebildeten Mitdenkenden.

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