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Der Zugführer: Die Truppe muss die Drohnenbedrohung verstehen

Die Drohnenbedrohung ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine Ausbildungsaufgabe. Zu viele Soldaten verstehen noch nicht, was das gläserne Gefechtsfeld für ihr eigenes Verhalten bedeutet. Drohnenabwehr beginnt deshalb beim Kader.

Wer über Aufwuchs spricht, dem kommen sicherlich unzählige Lücken in den Sinn, welche die Schweizer Armee zur Wiedererlangung der Verteidigungsfähigkeit zu schliessen hat. Eine davon ist kognitiver Art. Diese kann jedoch von uns Kadern behoben werden und hängt ausnahmsweise nicht vom politischen Verständnis der Bedrohungslage und der Finanzierung ab. Sie betrifft die Bedrohung selbst, die von den Soldaten nicht mehr verstanden wird.

Die Schlagworte des öffentlichen Diskurses – wie «gläsernes Gefechtsfeld», «elektronische Kriegsführung» und die kürzer werdende «kill chain» – sind für die in den Wiederholungskurs einrückende Truppe kaum nachzuvollziehen. Auch wir Kader müssen uns eingestehen, dass uns die taktischen Konsequenzen des Drohneneinsatzes ohne eigenständige Recherche fremd blieben. In den Kaderschulen wurde das Thema bis vor Kurzem nicht behandelt und auf dem Learning Management System (LMS VBS) wird die gähnende Leere der themenbezogenen Inhalte einzig durch ein Dokument der Bundeswehr kontrastiert.

Selbststudium der höheren Kader

Es liegt an den Einheitskommandanten und Zugführern, sich im Bereich der Drohnenabwehr die Grundlagen zu erarbeiten. Ein Abwarten auf das Reglement «Drohnenabwehr aller Truppen» trägt den akuten Ausbildungsbedürfnissen der Truppe nicht Rechnung. Die eigenständige Analyse von Drohnenvideos aus dem Ukraine-Krieg kann für das Nachvollziehen der Fehler der Getroffenen zwar nützlich sein, sollte aber keineswegs die Hauptquelle des Selbststudiums sein.

Veröffentlichte Drohnenaufnahmen sind ein Element der psychologischen Kriegsführung der Kriegsparteien, überspitzen deren Effektivität und sollen beim Gegner die Drohnen als sicheres Todesurteil verkaufen. Auch die eigene Truppe wird diese Aufnahmen in den sozialen Medien gesehen haben und durch diese in ihrer Wahrnehmung beeinflusst sein. Es ist unsere Aufgabe als Kader, dem Defätismus entgegenzuwirken. Das hierfür notwendige Rüstzeug findet sich in der Lektüre. Empfohlen sei hier das Buch von Elias Lorentz, welcher in «Die Regeln des modernen Schlachtfelds» 126 Regeln zum Gefechtsverhalten in drohnendominierten Konflikten zusammengetragen hat.

Ohne alle Learnings vorwegzunehmen, soll folgend ein passender Punkt angesprochen werden:

Regel 48: Furcht ist ein Virus; isoliere sie sofort.

Das bereits angesprochene Gefühl der Ohnmacht angesichts der Drohnenbedrohung, gepaart mit dem konstanten Summen der Drohnen hat auch den ukrainischen Soldaten an der Front Mühe bereitet.

Da es kaum etwas ansteckenderes gibt als Furcht, hat ein Zugführer die Verängstigten für 48 Stunden in einen ruhigen Keller im Hinterland rotiert und unter strikter Informationskontrolle in der Drohnenabwehr beübt, bis sie sich nicht mehr wehrlos gefühlt haben.

Kaderunterricht für die Gruppenführer

In der kurzen Zeit der Fortbildungsdienste bleibt zumeist nicht genügend Zeit, die Wachtmeister einen ganzen Tag lang zur Drohnenbedrohung zu schulen. Das hier vorgestellte Werk ermöglicht es den Wachtmeistern an einem Abend im KVK, auf einen präsentablen Wissensstand zu kommen.

Basierend auf der Anzahl der Gruppenführer in der Einheit erarbeiten sie in Zweiergruppen eine kurze Präsentation mit Flipchart zu den ihnen zugeteilten Regeln. Bei 24 Wachtmeistern ergibt dies pro Gruppe ungefähr zehn zu präsentierende Regeln, wobei diese entsprechend der eigenen Truppengattung noch gekürzt werden können. Nach 45 Minuten Vorbereitungszeit sollten die Gruppen präsentationsfähig sein und stellen nacheinander ihre Erkenntnisse vor. Zum Schluss formuliert jeder Teilnehmer seine drei wichtigsten Erkenntnisse und klebt sie als Post-it auf ein zusätzliches Flipchart.

Transfer an die Truppe

Die im KVK vorbereiteten Präsentationen können – wenn zeitlich möglich – direkt in der Erstausbildung ohne zusätzlichen Vorbereitungsaufwand im Rahmen eines Einheitsarbeitsplatzes zur Ausbildung der Soldaten eingesetzt werden. Die Erkenntnisse, zum Beispiel dass die Signatur eines eingeschalteten Mobiltelefons im Rahmen der elektromagnetischen Aufklärung durch eine Drohne erkannt werden kann, lassen sich in die folgenden Übungen integrieren, um das Verständnis für die Bedrohung weiter schärfen. Weiter profitieren auch die Kader von den guten Ideen der Truppe. Sie können diese nun eigenständig als Konsequenzen aus den ausgebildeten Aussagen und Erkenntnissen ableiten.

Es wäre anmassend zu glauben, dass mit dieser Massnahme die Ausbildungslücke vollständig geschlossen wird. Zur Überbrückung bis zum Eintreffen der neuen Reglemente scheint sie jedoch ausreichend zu sein.

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