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Eine Division findet Schutz im Bözbergtunnel

Im Juni hat die Ter Div 2 an den Rheinhäfen, den Juraübergängen und im Grenzraum mit CONEX 26 Einsätze unter erhöhter Bedrohung geübt. Und sie hat für eine Premiere gesorgt: Erstmals ist eine ganze Division im Schutz eines Autobahntunnels betankt worden. 

Stahlspinnen versperren die Einfahrt zu einer Röhre des Bözbergtunnels. Zum Schutz gegen Drohnen hängten Tarnnetze über dem Portal. Diese werden in dieser Nacht dutzendfach hochgehoben, immer dann, wenn ein neuer Fahrzeugpulk in den Tunnel einfährt und dort drin an einer der fünf mobilen Tankstellen Diesel fasst.

Training in drei «Arenen»

Es ist der 18. Juni und der Höhepunkt der Übung CONEX 26, die die Ter Div 2 während des ganzen Monats mit sieben Bataillonen und rund 3500 Armeeangehörigen durchführt. Im Zentrum standen zu Beginn die rasche Mobilisierung und das Erstellen der Einsatzbereitschaft dieser Verbände – gleichzeitig und an verschiedenen Orten. Nach der Mobilisierungsphase trainierten die Verbände in drei Arenen verschiedene Schwerpunkte im Rahmen der «einsatzbezogenen Ausbildung» (EBA). In einzelnen Trainingssequenzen bereiteten sich die Bataillone (Infanterie, Genie, Rettung, Führungsunterstützung und Logistik) auf einen späteren Einsatz vor.

In der Arena Rheinhäfen ging es primär um den Schutz und Betrieb kritischer Infrastrukturen sowie Rettung. In der Arena Grenze ging es schwergewichtig um die Überwachung und Raumsicherung. Und in der Arena Juraübergänge entlang der Aare zwischen Brugg und Wangen galt es, Verkehrsachsen zu sichern und um die Beweglichkeit im Gelände.

Panzersperren aus dem Depot geholt

Und damit geht es zurück zum Bözberg. In dieser Nacht gilt es, die ganze Division logistisch zu versorgen. Unter erhöhter Bedrohung und mit potenziell omnipräsenten Drohnen ist es heutzutage nicht mehr denkbar, unter freiem Himmel die Fahrzeuge zu betanken. Die Lösung hat die Division mit dem Autobahntunnel gefunden. Erstmals in der Armee ist in einem so grossen Rahmen eine geschützte Betankung durchgeführt worden. «Und wohl erstmals seit rund 40 Jahren sind auch die Panzerhindernisse, die beim Tunnelportal eingelagert sind, wieder zum Einsatz gekommen», wie Maj i Gst Michael Schifferli erklärt. Er ist Chef der Arena Juraübergänge. 

Die Portale des Bözbergtunnels wurden mit Panzersperren und Tarnnetzen gegen Drohnen geschützt. (Bild: Ter Div 2)
Die Portale des Bözbergtunnels wurden mit Panzersperren und Tarnnetzen gegen Drohnen geschützt. (Bild: Ter Div 2)

Für den weiträumigen Schutz der Tunnelzugänge sorgen drei Infanteriekompanien, während der Betrieb der temporären Tankstellen dem Westschweizer G Bat 2 obliegt, welches für diese Übung der Ter Div 2 zugewiesen worden ist. Die Genisten erhalten ihrerseits materielle Unterstützung Log Bat 52 in Form von Tankwagen. Zudem sorgt die Feuerwerk Frick für die Sicherstellung des Brandschutzes. Die Militärpolizei und die Kantonspolizei Aargau übernehmen die Verkehrsregelung, denn die zivilen Fahrzeuge müssen während der die ganze Nacht über dauernde Betankungsübung im Gegenverkehr durch die zweite Röhre.

Zwischenbilanz des Divisionskommandanten

Nach dem «Boxenstopp» im Tunnel geht es für alle Verbände über eine rund 95 Meter lange Schwimmbrücke bei Möriken-Wildegg über die Aare und von dort zurück in ihre Arenen. Divisionär Alexander Kohli, Kommandant der Ter Div 2, zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf der Gesamtübung zufrieden, wie er im Kurzinterview erklärt.

Div Alexander Kohl zeigt sich zufrieden mit mdem Ablauf der Übung CONEX 26. (Bild: CHristian Brändli)
Div Alexander Kohl zeigt sich zufrieden mit mdem Ablauf der Übung CONEX 26. (Bild: CHristian Brändli)

Wie verlief die EBA, wurde die Zertifizierung 1 „Fit for Mission“ gut erreicht?

Alexander Kohli: Die Zertifizierung 1 ist eine Eigenbetrachtung des Truppenkörpers und seines Stabes, die dann der Aussenbetrachtung der vorgesetzten Stelle gegenübergestellt wird. Dabei stellten wir eine hohe Übereinstimmung fest. Aber es gab natürlich auch Dinge, wo nachgelegt werden muss. Jetzt, gegen Ende der zweiten Phase mit Aufgabenstellungen im Einsatzraum und der Zertifizierung 2 „Fit for the mission“, habe ich zusammen mit den Bataillonskommandanten die Aufträge für die dritte WK-Woche vereinbart, in welchen Bereichen nun nochmals geübt werden muss.

Bleibt dafür Zeit in der dritten WK-Woche, in der die Retablierung stattfindet?

Wir haben diese Woche „ausgedehnt“. Alle Bataillone haben mindestens noch drei, gewisse vier Tage Zeit, um Lücken zu schliessen.       

Gibt es schon erste Erkenntnisse aus der Gesamtübung?

Ja, nämlich dass die EBA so zielführend betrieben werden kann. Und vor allem – was ich gar nicht erwartet hätte -, dass die Soldaten an einem solchen Training haben. Sie schätzen es, dass sie die Möglichkeit haben, mehrfach eine Brücke einzubauen oder mehrfach Stellungen beziehen können und stets dazu eine Rückmeldung zu erhalten. Das mit dem Effekt, dass sie besser werden. Dies schafft offensichtlich eine hohe Befriedigung. 

Welches sind die grössten Knackpunkte?

Wir haben erstaunlich wenig Probleme gehabt. Woran wir weiterarbeiten müssen, ist die Zusammenarbeit zwischen den Truppenkörpern. Etwas, das in unserem autistischen WK-System sonst nie geübt wird. Unsere Knackpunkte sind höchstens, dass in der Schweiz derzeit sehr viel los ist. So mussten wir kurzfristig Truppen für den Schutz der geplanten Bürgenstock-Konferenz abstellen.

Die Fahrzeuge der Ter Div 2 werden pulkweise abgefertigt. (Bild: Christian Brändli)
Die Fahrzeuge der Ter Div 2 werden pulkweise abgefertigt. (Bild: Christian Brändli)

Wie haben Sie das gemeistert?

Wir konnten diesen Auftrag gut abfedern, weil wir aktuell sehr bereit sind. So verfüge ich dank CONEX über den ganzen Milizstab. Mit der Berufskomponente kann ich somit den Fokus auf den Bürgenstock legen. Zudem habe ich bis Ende dieses WKs auch noch die Stäbe der Truppenkörper in meiner Hand, das gibt viel Luft. Es ist für mich noch nie so schön gewesen als Divisionskommandant wie jetzt.  

Wie präsentiert sich das Verhalten der Truppe unter erhöhter Bedrohung?

Das wurde bereits während der Mobilisierungsphase geübt, die vom Kommando Operationen geleitet wurde. Und dieses Verhalten hat sich als extrem gut entpuppt. Auch hier hat sich gezeigt, dass die Leute mit Begeisterung dabei sind. Wir werden das weiterüben, denn so haben wir viel weniger Eigenschutzprobleme. In einer erhöhten Bedrohung ist ein solches Verhalten für alle verständliche. 

Welche Arena ist für die Truppe die anspruchsvollste?

Ich dachte zuerst, dass jene des Leichten Infanteriebataillons am einfachsten sei. Es zeigte sich aber dort, dass dieses sich den grössten Herausforderungen ausgesetzt sah. Dinge, mit denen man gar nicht gerechnet hat. 

Völlig neue Aufgabenstellung für Geniebataillon

Oberstleutnant i Gst Andreas Muff, Kommandant des am Bötzbergtunnel eingesetzten G Bat 2, hebt die steile Lernkurve hervor, die mit der Übung CONEX möglich ist. Muff, zivil Leiter Krisenmanagement der Bundeskanzlei, weist aber auch darauf hin, dass sein Bataillon noch nicht bedrohungsgerecht aufgestellt ist.

Für Oberstlt i Gst Andreas Muff, Kommandant des G Bat 2, ist die Betankung im Bözbergtunnel eine völlig neue Aufgabenstellung. (Bild: Christian Brändli)
Für Oberstlt i Gst Andreas Muff, Kommandant des G Bat 2, ist die Betankung im Bözbergtunnel eine völlig neue Aufgabenstellung. (Bild: Christian Brändli)

Wie verlief die EBA, wurde die Zertifizierung 1 „Fit for Mission“ gut erreicht?

Andreas Muff: Sehr erfolgreich. Wir hatten eine sehr steile Lernkurve, sei es bei uns selbst oder was die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden anbelangt. 

Hat es für Sie und Ihr Bataillon Aufgabenstellungen gegeben, die sie bisher noch nicht geübt haben?

Ganz neu ist das, was wir jetzt gerade hier am Bözberg machen. Das findet man in keinem Reglement, keiner Dokumentation. Das mussten wir alles selbst von Null an andenken, wie das zu lösen ist. Das hat angefangen beim Bataillonskommandant und geht hinunter bis zum einzelnen Soldaten.

Vom Ablaufschema her ist es aber ähnlich wie bei einem Brückenschlag, den sie ja häufig zu bewerkstelligen haben?

Die Grundmechanik haben wir schon auf das Bestehende abgestützt. Aber die Koordinationsmassnahmen oder die Herausforderungen in einem Tunnel sind ganz neu. Beispielsweise Verbindungen: Wir können hier keinen weitreichenden Funk nutzen. Wir mussten uns überlegen, wie wir miteinander kommunizieren. Kommt hinzu, dass es ein sehr grosser Raum ist, den man nicht vom Eingang bis zum Ausgang überblicken kann.  

Für die Kommunikation im Tunnel wurden Signalhörner und Handfunkgeräte eingesetzt. (BIld: Christian Brändli)
Für die Kommunikation im Tunnel wurden Signalhörner und Handfunkgeräte eingesetzt. (BIld: Christian Brändli)

Gibt es noch weitere Erkenntnisse für Sie aus der ganzen Übung CONEX?

In der Regel haben wir während eines WKs nur eine Kompanieübung und am Schluss noch eine Bataillonsübung. Durch den hohen Rhythmus an Zertifizierungen konnten wir aber hier die Lehren vom Vortag am nächsten Tag umsetzen. Das ist die grosse Chance dieser Übung: Eine derartige Lernkurve haben wir in einem normalen WK nicht.  

Welches sind die grössten Knackpunkte?

Der hohe Rhythmus an Führung und Planung solcher Aufgaben wie hier am Bözberg mit doch recht begrenzten Mitteln. Man merkt plötzlich, dass auch ein Stab von 19 Leuten doch recht klein ist, vor allem, wenn nicht alle Spezialisten gleich gut für diese Aufgabenstellungen beitragen können.  

Im Bözbergtunnel werden an mehreren Stationen Fahrzeuge betankt. (Bild: Ter Div 2)
Im Bözbergtunnel werden an mehreren Stationen Fahrzeuge betankt. (Bild: Ter Div 2)

Wie beurteilen Sie das Verhalten der Truppe unter erhöhter Bedrohung?

Zu Beginn hatten wir einige Lücken, so lange, bis es in den Köpfen war, wie auf eine bestimmte Situation reagiert werden muss. Mittlerweile ist das adäquate Verhalten aber zu einem Standard geworden. Ich muss etwa gar nicht mehr befehlen, dass getarnt werden oder man sich vor der dritten Dimension schützen muss.

Haben Sie das nötige Personal, Material und die nötigen Systeme zur Erfüllung Ihrer Aufgaben?

Es ist nicht nur eine Frage der Anzahl, sondern auch, ob das Material auf die Bedrohung ausgerichtet ist. Wir haben im Bataillon kein einziges splittergeschütztes Fahrzeug. Auf dem Papier haben wir genügend Fahrzeuge, aber neben dem nötigen Schutz fehlt es auch an spezialisierten Fahrern. Unter dem Strich sind wir nicht bedrohungsgerecht aufgestellt. 

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