Kippende Panzer, grosser Einsatz und viel Kameradschaft
Olivier Laube hatte die Idee, 1364 Männer und Frauen liessen sich dafür begeistern: Mitte August stieg im Epizentrum der Gelben der erste Kameradentag der Panzergrenadiere.
Einmal Panzergrenadier, immer Panzergrenadier – auch wenn der Bauch vielleicht schon etwas grösser geworden ist und die Beine nicht mehr so flink sind: Wie gross der Korpsgeist der Gelben mit der Granate auf dem Spiegel ist, hat sich am 14. August auf dem Waffenplatz Thun gezeigt. Über 1300 aktive und nicht mehr ganz so aktive Panzergrenadiere feierten gemeinsam ihren ersten Kameradentag. Wie es der Zufall wollte, fiel dieser just mit dem 75-jährigen Bestehen ihrer Truppengattung zusammen.
Generationen von Panzergrenadieren
Der älteste Panzergrenadier auf Platz war der 92-jährige Heinz Stöcklin, der 1954 seine RS absolvierte. Nochmals drei Jahre mehr auf dem Buckel hat der älteste noch lebende Panzergrenadier, den Initiant Olivier Laube ausfindig machen konnte: Norbert Gmachel, der heute im Tertianum in Bülach lebt, der aber zu gebrechlich ist, um noch länger zu reisen.
1951 gehörte er zu jenen ersten Soldaten, die mit dem Universal Carrier unterwegs waren. Dieses Gefährt diente als „Panzerbegleitfahrzeug“, hatte aber die Neigung, bei höheren Geschwindigkeiten und abrupten Lenkmanövern zu kippen. Gmachel liess denn der Festgemeinde mitteilen, dass auch er einen solchen UC „umgelegt“ habe. Gleiches wusste ein anwesender Grossvater zu berichten, den es wie sein Sohn und sein Enkel zu den Panzergrenadieren und zusammen mit diesen an diesen Anlass gezogen hatte.
Eindrückliche Leistung von Rekruten
Eine solche „Erbfolge“ hatte der Cheforganisator des Kameradschaftstages nicht hingekriegt: „Ich habe versagt“, habe er sich damals gesagt, als sein Sohn die RS bei den Aufklärern absolvierte, meinte Laube vor versammelter Runde scherzhaft. Doch dieser Gedanke war für ihn der Anstoss, eine solche Zusammenkunft ins Leben zu rufen.
Unter dem Motto „75 Jahre Kameradschaft. Einsatz. Stolz.“ baute er nicht nur ein prominent besetztes Organisationskomitee auf, sondern schaffte es letztlich auch, nicht nur 300, wie ursprünglich gedacht, sondern 1364 Männer und Frauen ins Polygon in Thun zu locken. „Ich bin wirklich sprachlos über diesen riesigen Zuspruch“, meinte Laube.

Die grosse Runde machte sich nach der Landeshymne – auf Französisch! – und einem Gedenken an die im Dienst verstorbenen Kameraden auf ins Feld. Im Zielhang erwartete sie eine Demonstration von Panzergrenadieren im Verbund mit anderen Kampf- und Kampfunterstützungsverbänden. Und was die erst in der siebten RS-Woche stehenden Rekruten unter den Augen von Brigadier Reto Albert, dem Kommandanten des Lehrverbandes Panzer/Artillerie, dort zeigten, durfte sich wirklich sehen lassen. Aufklärung am Boden und mit Drohnen, vorstossende Schützen- und Kampfpanzer, ein Brückenleger und ein Entpanner, alles stand im Einsatz.
„Caramba“ zum Wiederaufbau der Armee
Zurück in den Panzerhallen gab es ein reichhaltiges Mittagessen – alles gesponsert – und drei Ansprachen. Der St. Galler SVP-Nationalrat Michael Götte absolvierte 1998 seine Ausbildung als Panzergrenadier. Dieses fand auf dem M113 statt, „bereits damals ein Oldtimer“. Seither habe es nur wenig materielle Erneuerung in der Armee gegeben. Heute gelte es, die riesigen Lücken zu schliessen. Er appellierte an die anwesenden aktiven und ehemaligen Panzergrenadiere, als Botschafter für einen Wiederaufbau der Armee aufzutreten: „Denn sie wissen, wovon gesprochen wird.“ Und als Zeichen, nun ans Werk zu gehen, rief er die jedem Panzergrenadier gut bekannten Befehle zum Ausbooten zu: „Rampe frei – Rampe tief – Caramba!“
MILAK-Dozent Dr. Michael Olsansky ging im Schnellzugstempo durch die Entstehungsgeschichte der Panzergrenadiertruppe, deren Urväter die motorisierten Dragoner waren. Er kam auf deren Gefechtsfahrzeuge und damit nochmals auf den UC zu sprechen, der im Rahmen der Helvetisierung auch mit einer Blache ausgerüstet worden war. Das trug dem Universal Carrier den Übernamen „Gartenhäuschen“ ein. Über den M113 ging es weiter zum heute im Einsatz stehenden schwedischen CV90, der sich im Auswahlverfahren gegen den deutschen Marder und den britischen Warrior durchgesetzt hatte. Strukturen und Organigramme hätten sich in den 75 Jahren verändert, geblieben sei der Geist der Truppe als Eliteinfanterie: „Die Panzergrenadiere sind das Schmiermittel des Waffenverbundes.“
Kein „Bömbeli“ mehr
Ein weiterer Vertreter dieses Schmiermittels, der mittlerweile Ausbildungschef der Armee ist, ergriff von einem M113 aus zum Abschluss das Wort: Korpskommandant Gregor Metzler. „Im Sommer 1987 begann ich als Gefechtler hier meine Ausbildung. Es war damals so heiss wie heute“, meinte er. „Und ich wurde gefordert – und war auch schon mal überfordert.“ Die gute Kameradschaft habe mitgeholfen, die harte Zeit durchzustehen.

Auch er stellte klar, dass die Armee heute nicht gut aufgestellt sei, da es im materiellen Bereich an allem fehle. Immerhin hätten jetzt alle 186 CV90, der Schützenpanzer 2000, ein Nutzungsverlängerungsprogramm durchlaufen. Ausserdem erhielten die Grenadiere neue Panzerabwehrmittel und bald auch das neue modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem MBAS. Allerdings habe dieses einen grossen Nachteil, bekannte der Panzergrenadier Metzler: „An diesem Kämpfer gibt es dann keine ‚Bömbeli‘ mehr“, das Erkennungszeichen der stolzen Truppe.
Nächste Treffen in Planung
Am Nachmittag konnten die Besucher des Kameradschaftstages an verschiedenen Ständen und Posten noch Einblick in die Geschichte der Panzertruppe sowie die Gegenwart und Zukunft der bei den Panzergrenadieren eingesetzten Waffen nehmen. Währenddessen plant Initiant Laube bereits die nächsten Schritte: „Ich will einen Panzergrenadier-Kameradenverein gründen.“ Und künftig soll ein solches Treffen alle fünf Jahre stattfinden.

