Für den Erhalt der Kampfkraft braucht es die F-35A und die F/A-18
Die Schweiz muss eine Kampfflugzeugflotte von mindestens 55 bis 70 modernen Maschinen anstreben. Um diese Zahl zu erreichen, sind die vorhandenen F/A-18 weiterzubetreiben, bis genügend Nachfolgeflugzeuge verfügbar sind.
Die Sicherheitslage in Europa hat sich fundamental verschlechtert. Der Krieg ist nach Europa zurückgekehrt. Unsere Nachbarstaaten verstärken ihre Streitkräfte, erhöhen ihre Verteidigungsausgaben und investieren Milliarden in Luftverteidigung, Munition, Drohnen, weitreichende Waffensysteme und moderne Kampfflugzeuge. Und die Schweiz? Ausgerechnet in dieser Lage droht sie, ihre Kampfkraft in der Luft zu reduzieren. Das ist sicherheitspolitisch nicht nachvollziehbar.
55 bis 70 Kampfjets notwendig
Der Bundesrat selbst hält fest, dass für eine umfassende, auf die heutige Bedrohung ausgerichtete Luftverteidigung 55 bis 70 moderne Kampfflugzeuge erforderlich wären. Gleichzeitig verzichtet er aus finanzpolitischen Gründen darauf, die ursprünglich vorgesehenen 36 F-35A in jedem Fall zu beschaffen. Dieser Widerspruch ist offensichtlich: Man stellt einen militärischen Bedarf von 55 bis 70 Flugzeugen fest – und ist gleichzeitig bereit, selbst die ohnehin knapp bemessene Zahl von 36 F-35A zu unterschreiten.
Sicherheitspolitik darf aber nicht nach dem Prinzip Hoffnung betrieben werden. Entscheidend ist nicht, was in Friedenszeiten gerade noch finanzierbar erscheint. Entscheidend ist, welche Mittel die Schweiz im Krisen- und Verteidigungsfall benötigt. Der verfassungsmässige Auftrag der Armee ist eindeutig: Sie dient der Kriegsverhinderung und trägt zur Erhaltung des Friedens bei; sie verteidigt das Land und seine Bevölkerung. Dieser Auftrag muss erfüllt werden können – nicht theoretisch, sondern tatsächlich.
Zentrale Bedrohung kommt auch aus der Luft
Der Krieg in der Ukraine führt täglich vor Augen, wie verletzlich moderne Staaten gegenüber Angriffen aus der Luft sind. Ballistische Lenkwaffen, Marschflugkörper, Drohnen und andere weitreichende Waffen können innert kürzester Zeit Energieversorgung, Verkehrsknoten, Kommunikationsnetze, Führungsinfrastruktur, Flugplätze und Logistikzentren treffen. Gerade die hoch entwickelte und dicht vernetzte Schweiz ist verwundbar. Ein Ausfall zentraler Infrastruktur hätte zudem Auswirkungen über unsere Landesgrenzen hinaus.
Eine glaubwürdige Luftverteidigung benötigt deshalb ein Gesamtsystem: bodengestützte Luftverteidigung, Sensoren und Führungssysteme – aber ebenso eine leistungsfähige Kampfflugzeugflotte. Dabei genügt es nicht, auf dem Papier einige Dutzend Flugzeuge zu besitzen. Maschinen befinden sich in Wartung, Ausbildung oder Umrüstung. Besatzungen brauchen Ruhezeiten, Flugzeuge Unterhalt und Munition Nachschub. Wer während einer Krise über Wochen oder Monate eine glaubwürdige Präsenz in der Luft gewährleisten will, braucht deshalb genügend Flugzeuge, Personal, Ersatzteile, Munition und Infrastruktur.
55 bis 70 Kampfflugzeuge sind deshalb keine Luxusforderung. Sie sind die Grössenordnung, die der Bundesrat selbst für eine umfassende Luftverteidigung nennt.
Die F/A-18 nicht voreilig ausmustern
Solange keine zweite Tranche moderner Kampfflugzeuge beschlossen und verfügbar ist, darf die Schweiz ihre vorhandenen F/A-18 nicht leichtfertig aufgeben. Alle 30 Schweizer F/A-18 wurden mit erheblichem finanziellem Aufwand modernisiert und ihre Nutzungsdauer verlängert. Rund 450 Millionen Franken wurden dafür bewilligt. Damit können die Maschinen nach heutiger Planung bis in die frühen 2030er-Jahre eingesetzt werden. Diese Fähigkeit sollte genutzt werden.
Das Ziel muss sein, während der Übergangsphase eine Flotte von insgesamt rund 60 einsatzfähigen Kampfflugzeugen zu erhalten. Erst wenn genügend neue Kampfflugzeuge verfügbar sind, darf über die definitive Ausserdienststellung der F/A-18 entschieden werden.
Natürlich kostet der parallele Betrieb von F/A-18 und F-35 zusätzliches Geld. Zwei Flotten benötigen mehr Personal, unterschiedliche Ersatzteile, Ausbildung, Wartungseinrichtungen, Logistik und teilweise unterschiedliche Infrastruktur. Aber das Argument darf nicht lauten: Es ist teuer. Die entscheidende Frage lautet: Was kostet es die Schweiz, wenn im Ernstfall die notwendigen Kampfflugzeuge fehlen?
Eine Luftwaffe lässt sich nach Ausbruch einer Krise nicht innerhalb weniger Monate vergrössern. Kampfflugzeuge können nicht kurzfristig im Supermarkt gekauft werden. Piloten, Techniker, Einsatzleiter und Bodenpersonal können nicht über Nacht ausgebildet werden. Verlorene Fähigkeiten lassen sich nur über Jahre und mit enormen Kosten wieder aufbauen.
Auch die Infrastruktur gehört zur Kampfkraft
Eine Flotte von 55 bis 70 Kampfflugzeugen benötigt eine entsprechende Infrastruktur. Die jahrzehntelange Reduktion und Konzentration der militärischen Flugbetriebsinfrastruktur muss deshalb kritisch überprüft werden. Wenige grosse Standorte mögen im Friedensbetrieb effizient erscheinen. Im Verteidigungsfall schaffen sie jedoch Verwundbarkeit. Wer Kampfflugzeuge beschafft, muss auch dafür sorgen, dass sie nach einem gegnerischen Angriff noch starten, landen, betankt, bewaffnet und gewartet werden können.
Dezentralisierung, Redundanz und Durchhaltefähigkeit sind keine Relikte des Kalten Krieges. Sie gehören angesichts moderner Präzisionswaffen wieder ins Zentrum militärischer Planung.
Ein Flugzeugtyp oder zwei?
Eine Ein-Typen-Flotte ist betriebswirtschaftlich attraktiv. Ausbildung, Wartung, Logistik, Ersatzteile, Simulatoren und Einsatzführung können vereinheitlicht werden. Personal und Infrastruktur lassen sich effizienter einsetzen. Militärisch hat dieses Modell jedoch einen gewichtigen Nachteil: Es schafft Abhängigkeiten. Ein technisches Problem, ein Softwarefehler, Lieferengpässe oder politische Schwierigkeiten mit einem Herstellerland können im Extremfall grosse Teile der Flotte gleichzeitig betreffen.
Eine Zwei-Typen-Flotte ist teurer und komplexer. Sie verlangt mehr Personal, Material und Ausbildung. Dafür schafft sie Redundanz und vermindert bestimmte technische und logistische Abhängigkeiten. Diese beiden Aspekte müssen gegeneinander abgewogen werden. Aber eines darf dabei nicht passieren: Die betriebswirtschaftlich billigste Lösung darf nicht automatisch mit der sicherheitspolitisch richtigen Lösung verwechselt werden.
Kampfkraft kostet – fehlende Kampfkraft kostet mehr
Die Schweiz muss entscheiden, welchen Preis ihr die Fähigkeit wert ist, ihren eigenen Luftraum, ihre Bevölkerung und ihre kritische Infrastruktur zu schützen. Neutralität ersetzt keine Verteidigungsfähigkeit. Sie entbindet uns nicht von der Verantwortung für unsere eigene Sicherheit. Im Gegenteil: Wer militärisch nicht in ein Bündnis integriert ist, muss besonders darauf achten, über glaubwürdige eigene Fähigkeiten zu verfügen.
Deshalb braucht es jetzt einen klaren Kurs: Die Schweiz muss eine Kampfflugzeugflotte von mindestens 55 bis 70 modernen und einsatzfähigen Maschinen anstreben. Die vorhandenen F/A-18 sind so lange weiterzubetreiben, wie dies technisch und militärisch sinnvoll ist und bis genügend Nachfolgeflugzeuge verfügbar sind. Gleichzeitig müssen Personal, Bewaffnung, Ersatzteile, Führungsfähigkeit und Flugplatzinfrastruktur auf die erforderliche Durchhaltefähigkeit ausgerichtet werden.
Sicherheit ist teuer. Verteidigungsfähigkeit ist teuer. Abschreckung ist teuer. Aber eine Armee, die im entscheidenden Moment zu wenig Kampfkraft besitzt, ist nicht günstig – sie hat ihren Zweck verfehlt. Auf Hoffnung lässt sich keine Luftverteidigung bauen.

